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Das Original.
Holzhaus, Blockbohlenhaus oder echtes Blockhaus?
Unterschiede, die Sie nicht übersehen sollten!
Der Sammelbegriff Holzhaus umfasst alle Hauskonstruktionen, bei denen Holz eine Rolle spielt: z.B. Fertighäuser in Tafelbauweise, Holzrahmenbauweise, Holzskelettbau, "Blockhaus-Imitate" mit dünner Blockbohlenfassade, Fachwerkhäuser, echte formstabile Blockhäuser in Vierkant- und Rundblockbauweise etc. Durch die Bezeichnung "Holzhaus" wird also keine Aussage über die verwendete Holzbauweise und die Materialstärke gemacht. Dies sollten Sie beim Vergleich der verschiedenen Angebote bedenken.
Holzhaus ist nicht gleich Holzhaus
Unterschiede zwischen den verschiedenen Holzhauskonstruktionen liegen in den verwendeten Tragwerks- und Verbindungsarten, in der Isolierung und der Verkleidung (wenn verwendet) und darin, wie groß der Massivholzanteil an der Konstruktion ist.
Optisch können auch leichte Konstruktionen mit geringem Massivholzanteil wie Blockhäuser aussehen. Dieser Eindruck wird aber nur durch die Verkleidung erweckt, die Vorteile echter Blockhäuser haben diese Imitationen nicht.
Die Blockbauweise gilt als die ursprünglichste und älteste Art, ein Holzhaus zu errichten. Echte Blockhäuser haben den höchsten Holzanteil. Aber auch unter ihnen gibt es Unterschiede: großer Beliebtheit erfreuen sich vor allem die Blockbalkenhäuser aus moderner industrieller Vorfertigung, während die aus gewachsenen Stämmen gefertigten Naturstammhäuser eher ein handwerkliches Nischenprodukt darstellen.
Die industrielle Vorfertigung von Blockhäusern vereint die Vorzüge der modernen Technik mit jahrhundertelangen Erfahrungen im Blockhausbau. Echte Blockhäuser aus industrieller Fertigung sind aus Rundbohlen (bis 250 mm Durchmesser) oder gehobelten massiven oder verleimten Blockbalken in ein- oder zweischaliger Wandkonstruktion erhältlich.
Eigenschaften hochwertiger industriell vorgefertigter Blockhäuser
- Die Blockbalkenwände von echten Blockhäusern aus Vierkant- oder Rundbalken werden Balken für Balken errichtet und mit dicken Holzdübeln untereinander verbunden.
- Zwischen den Balkenlagen und passgenauen Eckverkämmungen an den Hausecken und Kreuzecken an den Zimmerecken werden spezielle Dichtungsbänder (je nach Konstruktion und Hersteller) nicht sichtbar eingebaut.
- Mit langen Gewindestangen werden die massiven Blockbalken der kompletten Wände fest angezogen, bei hochwertigen Konstruktionen nicht nur an den Eckverkämmungen, sondern an fast allen Kreuzecken der Blockwände (Qualitätsmerkmal!).
- In die ausgefrästen Wandnuten werden T-Leisten (mit Dichtungen) für den setzungsfreien Einbau der Fenster, Türen und Verkleidung eingebaut. Gleichzeitig verhindern die T-Leisten das Verdrehen und Ausweichen der Blockbalken an den Öffnungen.
- Je höher und größer die Blockhäuser geplant werden, desto wichtiger sind Erfahrungswerte und die richtige Anwendung der neuesten Erkenntnisse. Aus den Erfahrungen mit historischen Blockhäusern heraus wurde die Kombination von Eckverkämmungen, Kreuzecken, Spannstangen, Dübellatten und Holzdübeln zur fortschrittlichsten und wichtigsten Technologie der Sicherstellung einer stabilen und langlebigen Wandkonstruktion entwickelt. Diese Technologie ist unter den Fachleuten der führenden Länder im Blockhausbau anerkannt: in Finnland sind diese Prinzipien des Blockhausbaus in den finnischen Baunormen (SFS) und der Baurichtlinienkartei (RT) schon lange Zeit fest verankert.
- Unterschiede zwischen einem Naturstammhaus und einem industriell vorgefertigtem Blockhaus liegen z.B. im weit höheren Arbeitsaufwand und der geringeren Passgenauigkeit der Bauteile von Naturstammhäusern.
Ein industriell produziertes massives Wohnblockhaus wird in Vierkant- oder Rundblockbauweise mit computergesteuerten Maschinen im Werk in vielen Arbeitsschritten vorproduziert. Auf der Baustelle wird es aus den weitgehend montagefertigen, passgenauen und markierten Bauteilen systematisch und nach einem genauen Plan aufgebaut. Trotz des hohen Fertigungsgrades ist ein modernes Blockhaus aber keine Billiglösung für Bastler.
Naturstammhäuser
Naturstammhäuser sind durch den Verzicht auf Vorfertigung sehr viel arbeitsaufwendiger. Unsere Vorfahren haben unter den schwierigsten Bedingungen ihre Häuser errichtet. Vom Abholzen der Baumstämme bis zum richtigen Aufbau des Hauses vergingen oft mehrere Jahre. Auch wenn es heute maschinelle Hilfsmittel gibt, ist der Anteil der Handarbeit nach wie vor sehr hoch, und die meisten Arbeitsgänge müssen direkt auf der Baustelle ausgeführt werden. Dadurch dauert die Errichtung eines Naturstammhauses auch heute noch wesentlich länger.
Bauherren, die speziell den Bau eines Naturstammhauses planen, sollten folgende Schwerpunkte genauestens bedenken:
Naturstammhaus: Bauherren - Checkliste
- Benötigte Hand- und Motorwerkzeuge: Wasserwaage, Schlagschnur, Zirkel, Winkel, Vorschlaghammer, Maßband, Stechbeitel für Stemmarbeiten, Axt, Stoßaxt und Kettensäge. Wegen der sehr hohen Verletzungsgefahr ist der richtige Umgang mit der Kettensäge und vorbeugender Unfallschutz äußerst wichtig!
- Grundsätzlich sind Grundkenntnisse der speziellen Arbeitstechniken notwendig.
- Es werden (teils sehr grob) entrindete naturbelassene Baumstämme verwendet. Wenn die Baumstämme aus eigener Forstwirtschaft stammen, müssen sie entrindet werden.
- In jede Bohle im Wandaufbau muß eine Längsnute eingearbeitet werden (Längsöffnung)
- Alle Eckverbindungen müssen angefertigt werden.
- Bauteile haben große Toleranzen.
- Anfertigung der Elektrobohrungen auf der Baustelle.
- Abdichtung der Eckverkämmungen und Längsnuten: Die Abdichtungsmasse bleibt je nach Ausführung auf etwa 20 mm sichtbar (wird von den Anbietern als "dekorativer" Bestandteil bezeichnet). Je ungenauer die Längsöffnungen und Eckverkämmungen ausgearbeitet werden, desto breiter und auffälliger sind die sichtbaren Abdichtungsstreifen. Durch die hohen Toleranzen ist eine unsichtbare Abdichtung wie bei industriellen Konstruktionen nicht möglich.
- Achten Sie auf den korrekten Einbau von Unterzügen, Böden und Decken.
- Für Herstellung bzw. Ausschneiden von Fenster- und Türöffnungen und die Anfertigung der senkrechten Wandnuten für das Trägerholz von Fenstern und Türen wird Erfahrung benötigt.
- Die passende Variante der Dachaufbauten, die Dachdämmung, Dacheindeckungen und Berechnung des Dachstuhls sollten fachmännisch ausgeführt werden.
- Für eine stabile Dachkonstruktion ist ein genaues Einmessen und Anlegen der Fußpfette nötig.
- Die klobigen Wandkonstruktionen aus starken Stämmen reduzieren stark die Wohn- und Nutzfläche.
- Die individuelle Realisierung der Grundrisse ist eingeschränkt.
- Hohe Restfeuchte der Bauteile und starke Rissbildung wegen des großen Kreisumfangs der Baumstämme.
- Ein Naturstammhaus ist z.B. empfehlenswert für Landbesitzer mit eigenem Waldbestand und viel Zeit.
- Bauherren, die selbst ein Naturstammhaus errichten wollen, sollten überdurchschnittliches Grundwissen über Statik und Bauphysik besitzen, weiterhin beim Bau die speziellen Arbeitstechniken beherrschen und viele zuverlässige Helfer mit guter Kondition haben.
- Es ist nicht viel Kapital nötig, um Naturstammhäuser anzubieten, da nur ein kleiner und einfacher Maschinenpark gebraucht wird. Um so wichtiger ist es, sicherzustellen, daß der Anbieter über das unbedingt nötige Know-How und die ebenso wichtige Erfahrung verfügt.
Wenn Sie ein Naturstammhaus erwerben wollen, besuchen Sie unbedingt die Produktionsanlagen des Anbieters und dessen Referenzhäuser, die bereits mindestens zwei bis drei Jahre bewohnt sind. - Wegen des hohen Arbeitsaufwands der Naturstammhäuser sind jährlich nur geringe Produktionszahlen möglich.
Unechte Blockhäuser, Blockbohlenhäuser aus 'Leichtbohlen'
Neben den echten Blockhäusern werden von einigen Anbietern auch Holzhäuser in Blockhausoptik angeboten, die jedoch außer dem Aussehen keine Gemeinsamkeiten mit echten formstabilen Blockhäusern haben. Hierbei wird eine Holzrahmenkonstruktion mit 40...70 mm dünnen Blockbohlen verblendet, um optisch den Eindruck einer Blockhauskonstruktion zu erwecken. Diese vorgehängten Blockbohlen haben keine tragende und stabilisierende Wirkung, die Konstruktion hat einen geringen Holzanteil und eine möglicherweise geringere Formstabilität als ein echtes Blockhaus.
Unechtes Blockhaus: Merkmale und Probleme
- Zwischen den meist 50...70 mm dünnen Leichtbohlen oder Profilbrettern aus Fichte werden in der Regel keine Abdichtungen eingebaut. Wie Fertighäuser verfügen diese Häuser über einen sehr geringen Holzanteil.
- Die dünnen Blockbohlen werden untereinander meist mit Stichnägeln oder Schrauben am Ständerwerk und in den Außenecken verbunden. In der Mitte der Wandfläche werden die Hölzer ohne aussteifende, stabilisierende Kreuzverkämmungen nur lose angestoßen.
- Teils werden diese Holzhäuser mit bedeutungslosen Kreuzecken aus Blockbohlenstücken dekoriert, um ein blockhausähnliches Aussehen mit Kreuzverkämmungen vorzutäuschen.
- Es fehlen aber meist konstruktive Eckverkämmungen, die Kreuzverkämmungen an den Zimmerecken, Holzdübel und Gewindestangen, die die horizontale und vertikale Bewegung der "Leichtbohlen" verhindern könnten.
- Bei diesen Holzhäusern in nachgeahnter Blockhausoptik mit geringen Profilstärken ohne Eckverkämmungen, Kreuzecken, Holzdübel und Spannstangen, muß später mit diversen Problemen gerechnet werden: Ausweichen der Wände, Knick- und Rißbildung usw.
- Je höher und größer das Haus, desto größer sind die Kräfte, die auf die Wandkonstruktion wirken. Sie muß der schweren Dach- und Zwischendeckenkonstruktion standhalten. Oft wird eine Hilfskonstruktion mit zwei innen und außen an der Außenwand vertikal angebrachten Hölzern notwendig, die bei einem langen Stützabstand das Einknicken der Außenwände verhindern sollen. Sie werden mit Bolzen montiert, die durch die Außenwand verlaufen.
Diese Hilfskonstruktion ist im Grunde ein Versuch, konstruktive Mängel nachträglich zu beheben, sie kommt sonst nur im Bereich der Althaussanierung und zur Problembehebung zu Anwendung. - Das Geheimnis des niedrigen Preises dieser Häuser ist der geringe Materialeinsatz an Holz durch die kleinen Querschnitte der verwendeten Konstruktionshölzer. Trotz waagerecht gestapelter Bohlenlagen in der Fassadenverkleidung sind es aber keine echten, stabilen Blockhäuser.
- Ein Sonderfall sind Blockbohlenhäuser mit doppelter Wandkonstruktion, bei denen zwei parallele Blockbohlenwände von z.B. bis 70 mm Stärke sozusagen ineinander errichtet werden und der entstehende Hohlraum mit einem Dämmstoff (z.B. Zellulose, Kork) gefüllt wird. Diese Häuser erfüllen rechnerisch meist die Anforderungen der EnEV und sind förderfähig nach KfW40/60. Allerdings ist bei solchen zweischaligen Konstruktionen aus dünnen Bohlen wegen der Verformungen eine Luftdichtigkeit auf Dauer nur äußerst schwer zu erzielen. Spätere Bauschäden sind nicht auszuschließen.
Entscheiden Sie sich nicht falsch!
Ein Haus baut man sich meistens nur einmal im Leben! Trifft man eine richtige Entscheidung, hat man jahrzehntelang Freude daran; ist die Entscheidung falsch, ärgert man sich genauso lange!
Wenn Sie sich für ein Holzhaus mit Blockhausoptik interessieren, besuchen Sie unbedingt möglichst große Kundenreferenzhäuser, die mindestens schon zwei bis drei Jahre bewohnt werden. Denn Baufehler zeigen sich oft nicht gleich, und an den schwerer zu beherrschenden großen Konstruktionen sieht man sie um so deutlicher.